• danielbuljevic

Oh yeah. American Football & Arbeitsrecht

Aktualisiert: Juli 31

Eines vorweg. Dies ist der einzige Beitrag, in dem kein förmliches Sie verwendet wird. In diesem Beitrag sind wir unter Sportsfreunden ;-)


Heute kommen wir zu einem ganz besonderen Thema: American Football!


Warum? Ganz einfach! Ich liebe diesen Sport, seitdem ich das erste Mal als 7-jähriger bei Karstadt Sport die Poster von Spielern wie Dan Marino, Emmitt Smith oder (später) Drew Bledsoe sah. Hinzu kommt, dass bei uns eine große amerikanische Kaserne war und man so zwangsläufig mit US-Sport in Berührung kam. Lange Rede kurzer Sinn. Worum geht es heute? Arbeitsrecht und Football scheint auf den ersten Blick nicht zusammen zu passen. Bei meiner Recherche konnte ich keinen Kollegen finden, der sich bislang mit dem Thema beschäftigt hat. Also leiste ich hier gerne Pionierarbeit! Daher wird zukünftig auch American Football als eigenes Rechtsgebiet auf der Homepage geführt.


Heute rücken wir vor allem arbeitsrechtlich relevante Themen in den Fokus. Die meisten Spieler in den deutschen American Football Ligen sind nämlich keine Vollprofis mit hoch dotierten Verträgen, sondern gehen neben dem intensiven Training und den Spielen am Wochenende einem bürgerlichen Beruf nach. Dies gilt sowohl für untere Ligen, als auch für die höchsten Spielklassen. Deshalb geht es nun (endlich) ans Eingemachte.


Kickoff:


Was passiert mit meinem Job, wenn ich mich beim Football verletze?


Im Grunde genommen gilt hier zunächst das Gleiche wie im Krankheitsfall. Es gilt die Entgeltfortzahlung. Allerdings kann der sportreibende Arbeitnehmer diesen Anspruch verlieren. Den Anspruch auf Entgeltfortzahlung verliert der Arbeitnehmer, wenn er den Krankheitsfall selbst verschuldet hat. Daher stellt sich sogleich die Frage, welche Maßstäbe hier zu Grunde gelegt werden. Hier hat sich das Bundesarbeitsgericht festgelegt: Wenn sich ein Arbeitnehmer einem sportlichen Risiko aussetzt, liegt ein eigenes Verschulden vor, wenn der Arbeitnehmer grob gegen das von einem verständigen Menschen, im eigenen Interesse zu erwartenden Verhalten stößt.


Tja, was meint das Bundesarbeitsgericht hiermit eigentlich? Übersetzt heißt dies wohl, dass man nicht Kopf und Kragen riskieren soll. Dies beinhaltet auch, dass entsprechende Schutzausrüstung zu tragen ist! Im American Football gab es immer wieder Regelentschärfungen, sodass beim Regelwerk auch an das Wohl der Spieler gedacht wird. Dennoch ist es „normal“, dass es mal scheppern kann (und soll). Bei einer Verletzung im Football kann es daher auf eine Einzelfallbewertung ankommen. Sollte allerdings das Gericht zu der Entscheidung kommen, dass Football per se eine gefährliche Sportart ist (nicht hierunter fallen bspw. Fußball, Skifahren, Drachenfliegen oder Amateurboxen), wird das Verschulden vorausgesetzt. Sofern Ihr hierzu Fragen habt oder Hilfe benötigt, könnt Ihr gerne Kontakt mit mir aufnehmen, dann finden wir gemeinsam eine Lösung. Für Mandanten und Sportsfreunde bin ich grundsätzlich bundesweit aktiv.





Was ist, wenn die Verletzung schlimmer ist und ich berufsunfähig werde?


Erst einmal muss man klären, was Berufsunfähigkeit überhaupt bedeutet. Hier hilft ein Blick ins Gesetz, genauer gesagt in § 172 VVG: „Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge von Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.“ Wichtig ist, dass hier die dauerhafte Berufsunfähigkeit gemeint ist.


Hier kann eine sog. Berufsunfähigkeitsversicherung Abhilfe schaffen. Allerdings muss jeder für sich selbst wissen, ob der Abschluss einer solchen Versicherung für ihn Sinn macht. Ich persönlich habe eine, seit meinem Berufsbeginn. Wichtig ist, dass man bei Vertragsschluss angibt, eine Risikosport zu betreiben. Es gibt bspw. verschleierte Fragestellungen wie zum Beispiel „Ob man privat Gefahren ausgesetzt ist?“ Mittlerweile fragen sogar Versicherungen explizit nach American Football. Hier empfiehlt es sich immer mit offenen Karten zu spielen, da andernfalls der Versicherungsschutz nicht greifen könnte. Dies wäre doppelt ärgerlich, weil man dann die Versicherungsbeiträge vergebens gezahlt hätte und keine Leistung erhält.


Muss ich meinen Arbeitgeber über meinen Sport informieren?


Grundsätzlich fällt die Ausübung von American Football in den privaten Bereich des Arbeitnehmers. Dieser ist auch grundgesetzlich durch Art. 2 GG geschützt. Eine Informationspflicht per se möchte ich an dieser Stelle nicht annehmen. Allerdings kann es wenige Einzelfälle geben, in denen tatsächlich eine Informationspflicht bestehen könnte.





Der Worst Case tritt ein: Mein Arbeitgeber hat mir verboten American Football zu spielen! Darf der das?


Im Arbeitsverhältnis stehen die Erbringung der Arbeitsleistung (für den Arbeitnehmer) und die Vergütung dieser Leistung (vom Arbeitgeber) als Hauptleistungspflichten fest. Hierbei steht dem Arbeitgeber grundsätzlich das sog. Direktionsrecht zu (Vgl. § 106 GewO). Das heißt der Arbeitgeber kann das Arbeitsverhältnis nach Zeit, Inhalt und Ort bestimmen (aber auch hier gibt es Grenzen). Das Direktionsrecht reicht nicht in die private Lebensführung hinein (Vgl. BAG Urteil vom 23.08.2012, 8 AZR 804/11). Es gilt daher „nur“ im Betrieb.


Was ist nun aber, wenn mein Arbeitgeber mir tatsächlich das Football spielen verbieten will? Man muss sich zunächst vor Augen führen: Je höher die Stellung des Arbeitnehmers ist (Gehalt, Position, Personalverantwortung) desto eher sind vertragliche Einschränkungen möglich. Hier kommt es im Streitfall wirklich auf eine gute Argumentation des Anwalts an. Meines Erachtens nach ist das Verbieten von American Football unzulässig. Wie bereits erwähnt, hat das BAG Skifspringen, Drachenfliegen oder gar Motarradrennen (trotz erheblicher Verletzungsgefahr) nicht als gefährliche Sportart eingestuft. Allein Kickboxen wurde als gefährlich eingestuft. Warum nun ausgerechnet American Football hierunter fallen soll, erschließt sich mir nicht. Es gibt Helme, Shoulderpats, Zahnschutz etc. und ein klares Regelwerk. Die Verletzungsgefahr ist sicher da und jeder, der am Wochenende abseits der NFL ein Spiel bei seinem Heimatverein besucht, hat schon mal den Krankenwagen vorfahren sehen. Allerdings gibt es das beim Fußball ebenso.


1. Sofern Euer Arbeitgeber Euch American Football verbieten möchte, nehmt gerne sofort Kontakt auf. Dann schauen wir, was sich machen lässt.


2. Wenn Ihr einen neuen Arbeitsvertrag unterschreibt, könnt Ihr vorsichthalber eine Klausel aufnehmen, die Euch das Football spielen ausdrücklich erlaubt. Bei Bedarf berate ich gerne hierzu.


Habt Ihr Fragen zum Thema oder fallen Euch noch Ergänzungen und Hinweise ein? Nehmt gerne Kontakt auf mit der Kanzlei zum Roland auf oder schreibt eine Nachricht auf Facebook. Im Rahmen dieses Themas biete ich auch kostenlose Vorträge für Football-Teams an. Die Erstberatung für American Football ist bei der Kanzlei zum Roland immer kostenlos! #FootballisFamily

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